WIE KAMEN DIE FORELLEN NACH SPIRIT MOUNTAIN ?

Der Forellenteich in Spirit Mountain war Teil eines Projektes, das über den Kleinstprojektefonds der Deutschen Botschaft gefördert und formal über die Universidad Agroforestal Fernando Arturo de Merino (UAFAM, meine damalige Arbeitstelle) umgesetzt wurde.
Im Februar 2011 war es soweit – der Teich wurde offiziell eingeweiht. Fehlten nur noch die Fische. Unser Plan war, Forellen im Schutzgebiet Valle Nuevo zu organisieren. Es war bekannt, dass dort Forellen seit einem nicht mehr existierenden privaten Zuchtvorhaben wild in einem kleinen Fluß vorkommen und sich dort v.a. auch vermehren. Dazu sind Wassertemperaturen von unter 10 Grad nötig, was in einem tropischen Land nun nicht eben häufig ist.

Kontaktaufnahme zu einer NGO, der das fragliche Gebiet untersteht, und zum Umweltministerium, um unsere Fangaktion legal zu organisieren. In Doulos werden zwei 200l-Plastetonnen auf einem Pickup verzurrt und ein selbstgebasteltes Belüftungssystem installiert. Wir haben jede Menge verschiedenes Netz- und Maschenwerk, Draht und Klebeband dabei. Daraus sollen vor Ort geeignete Fanggeräte werden. Wir haben außerdem zwei Boxen mit Eis dabei, um das Wasser auf dem Rückweg kühl zu halten. Die Straße Jarabacoa – Constanza wird gebaut; wir müssen die lange Strecke über La Vega – Bonao fahren.
Die Aktion ist für zwei Tage geplant: 1. Tag Mittag Abfahrt, Übernachtung vor Ort in Valle Nuevo, 2. Tag morgens Forellenfang, mittags Rückfahrt direkt nach Spirit Mountain und Los Dajaos (dem zweiten Projektort).

Ein kleines flaches Tal, wunderschön, ungefähr 2500m hoch. Der Fluß ist viel kleiner als gedacht. Schon nach der Ankunft sehen wir bei einem Erkundungsgang jede Menge Forellen. Sie sind nicht allzu groß, vielleicht 20cm. Es gibt nicht viel Platz und nicht viel zu Fressen für sie. Um so erstaunlicher, dass sie unsere Leckerbissen (Brot, Dosenwurst), mit denen wir versuchen sie zu ködern, völlig ignorieren.
Der Himmel ist klar. Und bei Sonnenuntergang wird es kalt. Sehr kalt. Ich stelle fest, dass ich meine Fleece-Jacke vergessen habe. Mein Schlafsack ist sowieso noch in Deutschland. Aber auf dem Pico Duarte ging es ja auch ohne. Unsere Lampe verliert bei der Kälte sehr schnell die Lust und Leuchtkraft. Bald geben wir das Kartenspielen mit zitternden Händen auf. Und ich nehme davon Abstand, wie geplant im Freien zu schlafen; habe überhaupt kein Problem, auf den wunderbaren Sternenhimmel zu verzichten. Auch mit einem zusätzlichen T-Shirt von Chad und einem um die Nieren gewickelten Handtuch wird die Nacht auf der Rückbank des Pickup mehr als ungemütlich. Chad rollt sich draußen im Schlafsack auf zwei Isomatten ein.
Am morgen ist er noch am Leben. Sein Thermometer zeigt -7 Grad, die Wiesen sind von Reif bedeckt. Ich habe Valle Nuevo wohl unterschätzt. Chad produziert mit seinem Kocher warmen Kaffee. Das hilft uns fürs erste, und irgendwann kommt auch endlich die Sonne über die Bäume.

Der Fluß ist schmal, kaum mehr als 3m breit. Das ist gut, vielleicht müssen wir ja nicht ins Wasser. Das hat nur wenig verlockende 10 Grad. Und wir haben weder Watstiefel noch Neoprenanzüge oder ähnliches. An einer günstigen Stelle sperren wir den Fluß mit einem Netz ab. Dann ziehen wir ein zweites Netz, beginnend etwa 50m entfernt, flussaufwärts bis zum Sperrnetz. Wir halten das an der Unterkante mit Steinen beschwerte Schleppnetz von beiden Ufern, und verhindern stochernd, rührend und peitschend mit kleinen Kiefern, die wir vorher zurechtgeschnitten haben, daß Forellen an den Rändern vorbeischlüpfen. Wir haben den Abschnitt vorher gecheckt, an die 20 potentielle Spirit Mountain - Forellen tummeln sich hier.

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